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Es ist immer noch New York City

 

von Wolfgang Hock 2012

Seit meiner Ausstellung 1988 in New York City zog es mich fast magisch immer wieder dorthin zurück: So viele interessante Bildmotive für mich ! Die musste ich irgendwie festhalten. Immer versuchte ich, soweit es möglich war, zu Fuß alles zu erreichen. Trotz aller Hektik und Ungemütlichkeit eine absolut faszinierende Mega-Stadt.

So sammelten sich im Laufe der Zeit sehr viele Fotos an, vor allem auch Dias, die viele Diakästen füllten und sich zu Hause auftürmten bis zur Decke.

Überall kamen sie mit, nie dachte ich daran, bei meinen vielen Umzügen nach Brasilien, innerhalb Brasiliens und wieder zurück nach Deutschland, irgendeine Auswahl zu treffen, weil ich in ihnen so etwas wie einen kleinen Schatz aus vergangenen Zeiten sah. Doch dieser Schatz wurde älter und älter und vergilbte, verstaubte und die Farben veränderten sich immer mehr, besonders auch wegen der feucht-salzigen Luft in Rio de Janeiro, bis hin zur endgültigen Auflösung.

Ansehen wollte sie schon lange keiner mehr: Die digitale Zeit war gekommen und das Dia wurde altmodisch. Wer hat heute noch einen Diaprojektor und eine ausschiebbare Leinwand, wer hat heute noch die Geduld, bei verdunkelten Räumen und summendem Apparat Lichtbilder anzusehen? Auch noch Lichtbilder, denen man die Vergangenheit buchstäblich anmerkt, sowohl von den Motiven her, als auch von der analogen Abbildlichkeit mit Gilb, Staub und Kratzern.

Die Zeit ist vorbei !

Als ich zurück von Brasilien wieder in Deutschland anfing in meinem neuen Atelier zu arbeiten und die Berge von Diakästen ansah – alle mühsam mit dem Container über den Atlantik transportiert, schon zum zweiten Mal –, kam ich auf die Idee, wie so viele in der jetzigen Zeit, meine Dias zu digitalisieren, um sie so wenigstens vor dem endgültigen Verfall zu schützen.

Zuerst dachte ich nur an das Archivieren und im Computer ‚einlagern‘, d.h. für die Zukunft erhalten und vor dem endgültigen Verfall bewahren.

Ein langwieriger und vor allem langweiliger Akt ! Und dann wurde auch noch alles völlig verfälscht, d.h. mein (extra hochwertiger) Digitalisierungsapparat kam mit den Farben und der Tonalität meiner Dias überhaupt nicht zurecht. Also von wegen einfache Archivierung per Mausklick !

So wurde die Nachbearbeitung mit Photoshop wichtig.

Doch auch hier musste ich feststellen, dass eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes unmöglich war.

Einerseits waren die Dias schon so verändert durch die Zeit, dass das nicht mehr möglich war, andererseits verändert die Digitalisierung die Dias zusätzlich durch die Verwandlung in Pixel. Die ursprüngliche Erscheinung der Dias wurde also immer unmöglicher, es sei denn, man gibt sich mit Halblösungen zufrieden und zwingt sich selbst dazu, die alten Dias in die neuen Digitalisierungen hineinzusehen, indem man versucht, sich zu erinnern, wie sie früher aussahen.

Das kann eventuell dem gelingen, der sich noch sehr gut erinnern kann, aber was ist mit denen, die unsere Zeit der analogen Fotografie gar nicht miterlebt haben. Wie erklär ich’s meinem Kinde ?

So kam ich auf eine ganz andere Idee:

Die Erschaffung einer ganz neuen Bildwirklichkeit aus der Mischung analoger und digitaler Abbildungswirklichkeit, bewusst beide Seiten stehen lassend.

Das fand ich wieder faszinierend, diese Mischung, eine fotografische Mischtechnik zu entwickeln.

Das ist genau das, was ich liebe: Das Vermischen, Vergangenheit und Gegenwart zusammenzubringen, Kulturen zusammenzubringen usw. Das passt zu mir in jeder Hinsicht.

Ich hasse das ‚Reinrassige‘, bürokratisch Eingeteilte, statistisch Erfassbare, juristisch Vor-Definierte !

Auf diese Weise kann ich dann doch Fotografie machen, ohne dem heute üblichen digitalen „Hochauflösungswahn“ (je mehr Pixel, je mehr Auflösung, je mehr 3-D, desto besser, desto wirklicher …) zu verfallen, was ich ja auch an anderer Stelle schon beschrieben habe („Die Macht des Bildes“).

Wieder einmal absolut faszinieren für mich, wobei Staub und Kratzer dazugehören !

 

 
 
 
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