Neues Medium:

Computermalerei

Transparenz und Immaterialität

von Wolfgang Hock

Die Meisten, die Fotos für Malerei verwenden, tun das, um Bilder aussehen zu lassen wie Fotografien, d.h. sie wollen die „Naturtreue“ nachahmen, um etwas vorzutäuschen, was sie nicht können.

Genau das mache ich nicht.

Die Verwendung des Computers zur Bildbearbeitung durch Photoshop dient dann auch nur dazu, um Fotografien aufzupolieren, um sie dann so aussehen zu lassen, wie man sie zu Hauf in diesen eintönigen Illustrierten oder im Fernsehen sehen kann, wo alles gleich aussieht.
Wenn jemand in 20 Jahren diese Bilder ansehen wird, wird er auf ihnen nichts mehr sehen, außer dass unsere Zeit sehr seicht war. Das sind alles Sackgassen, gegen die es anzukämpfen gilt.

 

Eine neue Technik ist das Malen und Zeichnen per Hand direkt im Computer, um dann gedruckt zu werden auf Papier oder Leinwand. Die heutigen Geräte haben sich derart verbessert, dass man schnell und frei mit Farben und Linien arbeiten kann. Man malt nicht mehr auf wirklichem Papier oder wirklicher Leinwand, sondern auf virtuellem Papier im Computer.

Es geht dabei nicht darum, andere Medien oder Materialien (z.B. Öl- oder Aquarellmalerei) vorzutäuschen, nachzumachen oder zu reproduzieren, sondern die Eigenheiten des neuen Mediums zu erforschen und anzuwenden.

Dabei stößt man – wie bei allen Medien – auf Vor- und Nachteile. Vorteile sind z.B. die Schnelligkeit beim Farbenwechsel, bei der Korrigierbarkeit und bei der Trocknung (die es hier nicht gibt), was den intuitiv spontanen und direkten Umgang mit den Bildern fördert.

Schnelligkeit hier im positiven Sinne, nicht als nervöses Herumprobieren.Das braucht Zeit, höchste Konzentration und macht viel Arbeit, und wie bei den traditionellen Kunstmedien hat es auch immer mit Können zu tun.

Für bestimmte Dinge ist dieses Medium einfach perfekt. Vor allem kann man sehr fein mit transparenten Farbschichten arbeiten und bestimmte Farbtönungen erzeugen, die in anderen Techniken so nicht möglich sind.

Man kann diese neue Technik mit traditioneller Druckgraphik vergleichen: Die bearbeitete Kupferplatte ist das virtuell erzeugte Bild im Computer, von dem dann, nach vielen Zustandsdrucken, Originaldrucke hergestellt werden in einer bestimmten Auflage. Es handelt sich also nicht um Reproduktionen.

Für mich stellt dieses neue Medium eine wichtige Erweiterung dar, das unserer Zeit entspricht. Das bedeutet aber nicht, dass ich deshalb die traditionellen Medien wie Öl- oder Aquarellmalerei vernachlässigen werde. Im Gegenteil: Dinge, die man in den neuen Medien entwickelt hat, befruchten die Arbeit in der Ölmalerei und umgekehrt. Die kreativen Möglichkeiten erweitern sich dadurch in allen Medien und für mich ist es immer wieder überraschend, was dabei herauskommt. Absolut faszinierend.

von Wolfgang Hock

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
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